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Perry Rhodan im Stadtarchiv

14.09.2026

Zum 35. Todestag des Friedrichsdorfer Science-Fiction-Autors Karl-Herbert Scheer

Am 15. September 2026 jährt sich der Todestag von Karl-Herbert Scheer zum 35. Mal. Der Friedrichsdorfer Schriftsteller gilt als literarischer Vater von Perry Rhodan, der weltweit erfolgreichsten Science-Fiction-Serie. Sein Name ist untrennbar mit einem Erzähluniversum verbunden, das seit mehr als sechs Jahrzehnten fortgeschrieben wird und Generationen von Lesern geprägt hat.

In diesem Jahr konnte das Stadtarchiv Friedrichsdorf bedeutende Zeugnisse aus Scheers Arbeitsleben übernehmen. Seine Tochter übergab der Stadt den Schreibtisch mit Stuhl und Computer sowie zahlreiche persönliche Unterlagen aus dem Besitz ihres Vaters. Eine Besonderheit des Bestandes ist das handschriftliche Originalmanuskript von „Perry Rhodan-Exposéentwürfe Band 200 – Band 385“. Damit gelangten nicht nur Dokumente, sondern wesentliche Teile des einstigen Arbeitsplatzes des Autors in das Archiv und das Museum.

„Schreibtisch, Stuhl und Computer führen uns unmittelbar an den Ort, an dem literarische Zukunft entworfen wurde“, erklärt Museums- und Archivleiterin Dr. Erika Dittrich. „Besonders eindrucksvoll ist das handschriftliche Manuskript. Es zeigt den Text noch im Prozess seiner Entstehung und macht die Arbeit des Autors hinter dem gedruckten Werk sichtbar. Die neuen Unterlagen bieten uns die Möglichkeit, Scheers Leben und Schaffen anhand seiner eigenen Aufzeichnungen genauer zu erforschen.“

Der umfangreiche Neuzugang wird derzeit im Stadtarchiv und im Museum gesichtet, geordnet und erschlossen. Die einzelnen Dokumente werden verzeichnet, sachgerecht verpackt und in ihren jeweiligen Entstehungszusammenhang eingeordnet. Erst durch diese Arbeit entsteht aus der Übernahme ein dauerhaft nutzbarer Archivbestand. Künftig können die Unterlagen neue Einblicke in Scheers schriftstellerische Arbeit und in die Entstehung seiner literarischen Welten eröffnen. Zugleich bilden sie eine wertvolle Quelle für die Geschichte der deutschen Science-Fiction-Literatur und ihrer großen Lesergemeinschaft.

Karl-Herbert Scheer wurde am 19. Juni 1928 in Harheim geboren. Gegen Ende der 1950er Jahre zog er mit seiner Familie nach Friedrichsdorf, wo er bis zu seinem Tod lebte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verdiente er seinen Lebensunterhalt zunächst als Jazzmusiker in amerikanischen Soldaten- und Offiziersklubs. Gleichzeitig begann er zu schreiben. Sein Ingenieursstudium gab er schließlich zugunsten seiner schriftstellerischen Tätigkeit auf. Das Interesse an Technik, Raumfahrt und wissenschaftlichen Zukunftsentwürfen blieb jedoch bestimmend für sein gesamtes Werk.

Schon als junger Mann veröffentlichte Scheer mit „Stern A funkt Hilfe“ seinen ersten Zukunftsroman. Mitte der 1950er Jahre gehörte er zu den Gründern der Science-Fiction-Interessengemeinschaft STELLARIS. Mit der 1957 begonnenen Reihe „Zur besonderen Verwendung“, kurz „ZBV“, schuf er zudem eine eigenständige Verbindung aus Zukunftsroman, Geheimdienstgeschichte und technischem Abenteuer.

Den entscheidenden Schritt unternahm Scheer 1961 gemeinsam mit Walter Ernsting, der unter dem Pseudonym Clark Darlton schrieb: Beide entwickelten die Grundlagen der Serie Perry Rhodan. Am 8. September 1961 erschien unter dem Titel „Unternehmen Stardust“ das erste Heft. Was zunächst als überschaubare Reihe angelegt war, entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen literarischen Langzeitprojekt. Bis heute wird das Perryversum von einem Autorenteam fortgeschrieben; Woche für Woche erscheint ein neuer Roman.

Die Faszination des Raumflugs klingt bereits im ersten Band an: „Schön, atemberaubend schön und gewaltig“, lässt Scheer General Pounder sagen. Scheer war weit mehr als einer der beteiligten Autoren. Er entwarf wesentliche technische, politische und militärische Grundlagen des sogenannten „Perryversums“ und gab der Serie damit über viele Jahre ihre innere Ordnung. Selbst verfasste er 76 Romane der Perry-Rhodan-Hauptserie. Auch an der Konzeption der Schwesterserie ATLAN war er maßgeblich beteiligt.

Seine Erzählungen waren von einem ausgeprägten Vertrauen in Technik und wissenschaftlichen Fortschritt bestimmt. Technische Vorgänge sollten auch für Leser ohne besondere Vorkenntnisse verständlich bleiben. Zugleich spiegeln die Romane mit ihren militärischen Konflikten, Bedrohungsszenarien und machtpolitischen Ordnungsmodellen Vorstellungen wider, die eng mit der Epoche des Kalten Krieges verbunden sind. Scheers Vorliebe für detailliert beschriebene Waffentechnik brachte ihm unter den Fans zunächst den Spitznamen „Kanonen-Herbert“ und später „Handgranaten-Herbert“ ein.

Über Perry Rhodan hinaus veröffentlichte Scheer zahlreiche weitere Science-Fiction-Romane, darunter viele unter dem Pseudonym Alexej Turbojew. Unter verschiedenen weiteren Namen schrieb er außerdem Kriminalromane und Seeabenteuergeschichten. Die Vielzahl seiner Pseudonyme und Veröffentlichungen verweist auf einen professionellen Autor, der unterschiedliche Genres beherrschte und für einen stetig wachsenden literarischen Massenmarkt schrieb.

Karl-Herbert Scheer starb am 15. September 1991 im Alter von 63 Jahren. Heute erinnert in Friedrichsdorf die Karl-Herbert-Scheer-Straße an den Schriftsteller. Auch im von ihm mitgeschaffenen Perryversum lebt er weiter: Mit dem Arkoniden „Kaha da Sceer“ setzten ihm die Autoren der Serie ein literarisches Denkmal.

Mit der Übernahme seines Arbeitsplatzes, des Originalmanuskripts und der persönlichen Unterlagen bewahrt das Stadtarchiv nun einen bedeutenden Teil seines Vermächtnisses an dem Ort, an dem Scheer über drei Jahrzehnte lebte und arbeitete. Der Konstrukteur ferner Zukunftswelten wird damit zugleich als Teil der Friedrichsdorfer Stadtgeschichte neu sichtbar.