Wenn die Stadt glüht: Klimawandel und Gesundheit
22.09.2026
Welche Folgen extreme Hitze für die Gesundheit hat und warum Kinder, Senioren und Frauen stärker betroffen sind: Zur Veranstaltung „Wenn die Stadt glüht" hatte das Friedrichsdorfer „Institut zur Nachhaltigkeit" (IzN) drei Referentinnen ins Forum Friedrichsdorf eingeladen.
Sabrina Schlünz, Fachärztin für Innere Medizin, nannte unter anderem die steigende Infektionsgefahr: Die Erderwärmung begünstige das Bakterienwachstum, zudem breiteten sich invasive Mückenarten aus. Hinzu kämen Entzündungen, die durch die Hitze begünstigt werden, aber auch Hautausschläge, ein steigendes Hautkrebsrisiko sowie mehr asthmatische Erkrankungen durch höhere Feinstaubbelastung. Vor allem aber leiste das Herz schwere Arbeit, wenn das Thermometer über 35 Grad klettert: Um den Körper zu kühlen, muss es mehr Blut pumpen – der Blutdruck sinkt, der Puls steigt. Bei hoher Luftfeuchtigkeit gelinge die Abkühlung nicht, weil der Schweiß nicht verdunsten könne. Chronisch Kranken riet die Ärztin, ihre Medikation hausärztlich überprüfen zu lassen, da Hitzereaktionen des Körpers die Wirkung beeinflussen können. Ihre Empfehlungen: ausreichend trinken, die Umgebungstemperatur senken, Beine hochlegen, starke Anstrengung meiden, an Hautschutz und Sonnenhut denken – Bewegung bleibe wichtig, aber moderat und zur kühleren Tageszeit.
„Wir können noch etwas tun", sagte Sabine Stelter vom Klimabeirat, mahnte aber zu raschem Handeln. Sie warb für die Entsiegelung von Flächen: Grün kühlt die Umgebung, Bäume spenden Schatten, Regenwasser kann versickern. In Kassel und Frankfurt hätten Städte Straßensanierungen genutzt, um Asphalt zu entsiegeln, Grünstreifen einzupflegen und Bäume zu pflanzen. Auch jede und jeder Einzelne könne etwas zum Klimaschutz beitragen: „Man kann auf dem eigenen Grundstück Fläche entsiegeln, Balkone bepflanzen, Dächer und Fassaden begrünen." Letztlich gehe es darum, den Kohlendioxid-Ausstoß deutlich zu senken – dazu zähle auch eine angepasste Ernährung wie die „Planetary Health Diet", die überwiegend pflanzlich ist, Milch- und Fleischprodukte aber nicht ausschließt.
„Der Klimawandel trifft Frauen, einkommensarme und andere strukturell benachteiligte Menschen besonders hart", zitierte die Gleichstellungsbeauftragte Olivera Gligoric-Fürer aus dem Vierten Gleichstellungsbericht des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Gründe dafür seien historisch gewachsen, weil die weibliche Perspektive in vielen Lebensbereichen über Jahrhunderte gefehlt habe. Und da sich der Bericht mit der Gleichstellung in der sozial-ökologischen Transformation befasst, liege darin eine Chance: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, bei der Entwicklung von klimaangepassten Maßnahmen inklusiv zu denken und zu handeln." Frauen arbeiteten häufiger in hitzebelasteten Berufen wie Pflege, Kita oder Einzelhandel, in denen ein Ausweichen kaum möglich sei. „Es ist ein Kreislauf: Frauen arbeiten in Teilzeit oder verdienen grundsätzlich weniger und bekommen weniger Rente – und doch werden sie in der Regel älter als Männer." Von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen seien sie damit stärker betroffen. „Gleichstellung ist eine Querschnittsaufgabe in der Klimaanpassung, und die rechtlichen Grundlagen zur Umsetzung gibt es schon", so Gligoric-Fürer.
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