News aus dem Museum

Sulinchen entdeckt die Landwirtschaft am 25.10.2017

Newsbild: Sulinchen entdeckt die Landwirtschaft am 25.10.2017

Es ist Herbst und Sulinchen schaut den ersten bunten Blättern zu, wie sie von den Bäumen fallen. Da fährt ein Traktor am Museum vorbei, der einen großen Anhänger mit Rüben hinter sich herzieht. Er ist so voll gepackt, dass Hoppla! eine Rübe runterfällt. „Die braucht der Bauer wohl nicht mehr“, denkt sich Sulinchen und schwups, hat sich der kleine, freche Kobold die Rübe ins Museum geholt. „Mhh… was mach ich jetzt mit dir?“ überlegt Sulinchen. „In mein Schnorretäschen passt du nicht rein, das ist voll mit meinem Wintervorrat an Zwieback. Ah! Ich weiß wo wir dich einlagern. Oben unterm Dach haben wir unsere Landwirtschaftsabteilung, da wirst du dich wohl fühlen. Dort gibt es viel zu entdecken, womit früher die Feldarbeit verrichtet wurde.“ Willst Du auch erfahren wie, damals auf dem Feld gearbeitet wurde? Sulinchen zeigt dir Geräte und Werkzeuge, die von Seulberger Bauern benutzt wurden, als es noch keine Traktoren im Dorf gab. Anschließend werden bei einer Runde Geisterrübenschnitzen lustige Geschichten von Ziegen, Hundewagen und Pferdeäpfeln erzählt. Alle kleinen Entdecker sind eingeladen am Mittwoch den 25.10.2017 um 15:15 Uhr im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46. Der Teilnahmebeitrag beläuft sich auf 3 € pro Kind. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen erhalten Sie unter 06172-731 3 100, 06172-731 3 120 oder unter erika.dittrich@friedrichsdorf.de..

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Explosionsgefahr im Philipp-Reis-Museum am 07.03.2017

Newsbild: Explosionsgefahr im Philipp-Reis-Museum am 07.03.2017

Was genau ist Strom, wo kommt er her oder wie wird er erzeugt und kann man eine Glühbirne vielleicht auch ohne Batterie zum Leuchten bringen? Nachdem die Erfinderwerkstatt im Februar gestartet ist, wird es in den kommenden Veranstaltungen hochspannend und elektrisierend im Museum. Denn jetzt dreht sich alles um die Frage, was es eigentlich mit dem Strom auf sich hat. Dies klären kleine Forscher am Dienstag, 7. März, und große am Donnerstag, 9. März, jeweils um 15 Uhr. Denn dann wird im Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße 93, für rund 90 Minuten wieder experimentiert und getüftelt was das Zeug hält. Der Teilnahmebeitrag beläuft sich auf

4 €. Anmeldung und weitere Informationen unter 06172/7313100, 06172/7313120 oder erika.dittrich@friedrichsdorf.de.

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18. Oktober 1685, das Stadtarchiv Friedrichsdorf erinnert:

Newsbild: 18. Oktober 1685, das Stadtarchiv Friedrichsdorf erinnert:

Friedrichsdorf – bekanntlich gründeten die Stadt wegen ihres Glaubens in Frankreich verfolgte Hugenotten. Doch was bewegte Tausende von Menschen, ihre Heimat zu verlassen, sich auf einen unsicheren Weg ohne Ziel zu machen? Es war die vor 325 Jahren erlassene Verfügung des französischen Königs Ludwig XIV., das Edikt von Fontainebleau, das seine evangelischen Untertanen in Massen bewog, dem Land ihrer Väter für immer den Rücken zu kehren. Unter ihnen befanden sich eben auch die Familien Agombard, Verry, Rousselet, Garnier, Chevalier und Achard, Lebeau und Privat – um nur einige der 36 Familien aufzuzählen –, die zu den Gründern Friedrichsdorfs gehörten.


Hugenotten, das waren reformierte Christen, die in Frankreich nach der von Jean Calvin entwickelten Lehre lebten. Etwa dreißig Prozent der Franzosen hatten sich nach der Reformation von der römisch-katholischen Kirche abgewandt. Besonders in Süd- und Südwestfrankreich entstanden zahlreiche reformierte Kirchengemeinden. Da auch Teile des Hochadels sich der protestantischen Lehre angeschlossen hatten, wurde aus der konfessionellen Auseinandersetzung schnell eine machtpolitische, die mithin den Zusammenhalt des französischen Staates gefährdete. Acht Religionskriege prägten die Geschichte Frankreichs in den Jahren 1562 bis 1593. Der ständige Wechsel von Sieg und Niederlage, von Toleranzedikten und Terrormaßnahmen führte zu einer Eskalation der Gewalt auf beiden Seiten.


Eine religiöse Befreiung – das Edikt von Nantes
Nach 36 Jahren Bürgerkrieg in seinem Land wollte der französische König Henri IV. endlich ein friedliches Zusammenleben von Katholiken und Protestanten ermöglichen. Lange und heikle Verhandlungen schufen im Edikt von Nantes ein Regelwerk, das den Frieden nach Frankreich holte. Heraus kam ein Kompromiss, der beide Konfessionen in zivilrechtlicher Hinsicht gleich stellte und damit die Bedingungen ihres Zusammenlebens festlegte. Bis zu seinem Tode 1610 überwachte Henri IV. persönlich die Einhaltung des Edikts. Doch unter seinem Nachfolger Ludwig XIII. verloren die Protestanten wieder ihre Gleichstellung und damit ihre Sicherheit.

 

Edikt von Fontainebleau
Zu Beginn der Regierung Ludwigs XIV. (1643-1660) blieb der Religionsfriede gewahrt. Als jedoch der Sonnenkönig nach dem Tode seines Ministers Mazarin (1661) die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand nahm, wurde das Edikt von Nantes immer enger ausgelegt. Schließlich begann 1681 die offene Verfolgung der Protestanten; die königliche Kavallerie verbreitete Angst und Schrecken, um die Reformierten zu einem Glaubenswechsel zu zwingen. Zuletzt unterzeichnete am 18. Oktober 1685 Ludwig XIV. das Edikt von Fontainebleau, welches das Edikt von Nantes widerrief.
Die temple der Reformierten wurden sofort geschlossen, die Ausübung der Konfession verboten. Pastoren, die nicht konvertierten, mussten innerhalb von zwei Wochen das Land verlassen. Kinder sollten wieder nach der katholischen Konfession getauft und erzogen werden. Einen Ausweg sollte es nicht geben, da sogar die Flucht unter Androhung der Galeerenstrafe für Männer und des Gefängnisses für Frauen verboten war. Wem es dennoch gelang, das Land zu verlassen, dessen Güter wurden beschlagnahmt. Ein letzter Paragraph ließ den Reformierten scheinbar die Gewissensfreiheit (wenn auch nicht die der Religionsfreiheit). In der Tat wurde dieser Artikel aber niemals befolgt. Weil sie es ablehnten, ihren Glauben abzuschwören, wurden viele Protestanten eingekerkert. Zudem fanden noch immer die Dragonaden statt, um diejenigen mit Gewalt katholisch zu machen, die es noch nicht waren.

Der große Exedus der Hugenotten
Trotz der Gefahren für Leib und Leben – etwa 150 000 Menschen flüchteten unter oft dramatischen Umständen aus ihrer Heimat. Beseelt vom Wunsch, frei den Glauben ausüben zu können, begann der große Exodus. In der Regel verließen die Flüchtlinge gesicherte finanzielle Verhältnisse und wussten nicht, was sie im refuge erwartete. Kaum konnten sie noch Haus und Hof verkaufen, um für die ungewisse Reise über Bargeld zu verfügen. Naturgemäß gab es verschiedene Ziele, die die réfugiés erreichen wollten. Die Nordfranzosen zogen in die nahen Niederlande. Für die aus dem Westen Frankreichs bot sich ein Schiff nach England an. Die Mehrzahl der Hugenotten lebte aber im Süden Frankreichs und versuchte, von dort in die Schweiz zu entkommen.
Den Glaubensflüchtlingen begegneten die Eidgenossen mit tief empfundenem Mitleid, und die Hilfe, die man ihnen in Form von Geld, Nahrung und Medikamenten zukommen ließ, war beachtlich. Doch als der Zustrom an Flüchtlingen nicht nachließ, versuchte man, sie weiterzuschicken. Viele alleinstehende Frauen, Witwen, Kinder und Greise blieben vor allem in der Westschweiz. Aus der Champagne kam etwa die Familie Garnier nach Basel, wo Isaak Garnier 1692 im Alter von 82 Jahren starb. Ebenfalls die Söhne blieben bis zu ihrem Tod in Basel. Enkel Jeremie indes zog es weiter, bis er sich schließlich 1696 in Friedrichsdorf niederließ.


In der Schweiz organisierten Städte und Kantone Gruppen, die sich unter ortskundiger Führung auf den Weg machten. Für etwa 40 000 Flüchtlinge sollte Deutschland eine neue Heimat werden. Eine wichtige Station war Frankfurt am Main, das zur Drehscheibe des refuge wurde. Denn bereits seit langem gab es hier reformierte Kirchen. Die beiden Gemeinden unterstützten in vierzig Jahren (1685 bis 1725) 125 000 Menschen mit nahezu 70 000 Gulden. Zur Kassenprüfung wie auch als Stammrolle für nachfolgende Flüchtlinge zur Information über den Verbleib für Verwandte wurde genau Buch geführt. In diesen Listen finden sich auch jene, die Finanzhilfen erhielten und nach Homburg gingen.


Landgraf Friedrich II. gründet eine colonie française
Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg, jener ruhmreiche Held von Fehrbellin mit dem legendären silbernen Bein, hatte bereits im August 1684 einen offenen Brief entsandt, in dem er "Teutsche von allen im römischen Reich geduldeten Religionen vor allem aber Hugenotten" zur Ansiedlung in Hessen-Homburg aufforderte. Unmittelbar nach Aufhebung des Ediktes von Nantes verfasste er einen zweiten offenen Brief, in dem er ausdrücklich "französische Flüchtlinge" ansprach, deren es "in den gegenwärtigen Zeitläufen viele" gebe. Doch nicht nur aus Mitleid nahm der Landgraf sie auf, wenngleich er selbst von der lutherischen zur reformierten Konfession konvertiert war, somit die Hugenotten seine Glaubensbrüder waren. Durchaus verfolgte er mit der humanen Geste auch wirtschaftliche Interessen, denn der Dreißigjährige Krieg hatte große Teile des Landes verwüstet, dessen Einwohner tot oder geflohen waren. So sah der Landesvater die Chance, sein Ländchen wieder zu bevölkern, was später sich in ein höheres Steueraufkommen ummünzen sollte. 
Im Sommer 1686 kamen dann die ersten Flüchtlinge an – ausgezehrt, müde und krank von der langen Reise. Manch einer schleppte sich noch mit letzter Kraft an den Ort der refuge – um dann entkräftet zusammenzubrechen. Und vor allem nach den Kindern griff der Tod: Die beiden Sprösslinge von Marie und Estienne Breuse, Marie und Etienne, sterben kurz nacheinander am 13. und 14. November 1687 in Friedrichsdorf, der fünfjährige Sohn des Pierre Breuse am 19. November des gleichen Jahres. In der Familie Barthelmi aus Prouiere holte sich der Sensemann innerhalb eines Vierteljahres zunächst die vierzigjährige Mutter Catherine und dann im Abstand weniger Tage die drei Söhne. In vielen Familien starben die Eltern fast gleichzeitig mit ihren Kindern.
Häufig erzählen Familiensagen, die verwitwete Mutter habe ihren Sohn den langen Weg auf dem Rücken getragen, wie etwa bei Familie Morelle, einer der Stadtgründer Friedrichsdorfs. 1707 gaben sich der Ladenbesitzer (boutiquier) Pierre Morelle und Marthe Labbé, Tochter des Zimmermanns Ezechiel Labbé, das Eheversprechen. Familie Labbé kam, wie die Blanquin, Le Jeune und Verry (Veri), aus der Picardie.
In drei Einwanderungsschüben erreichten die Hugenotten die kleine hessische Landgrafschaft. Der erste traf bereits 1685 /86 ein. Zunächst wurden die Flüchtlinge in der Stadt Homburg angesiedelt, in der eigens angelegten Neu- oder Louisenstraße. Für das erste auf seinem Boden geborene Kinde der französischen Gemeinde übernahm der Landgraf persönlich am 27. Juli 1686 die Patenschaft. Als eine zweite Einwanderungswelle neue Siedler brachte, gründete er für sie eine neue Kolonie, die später ihm zu Ehren Friedrichsdorf genannt wurde.
Doch noch wanderten Flüchtlinge weiter, andere kamen hinzu, die Anfangsjahre des "neuen Dorfes" prägte ein unstetes Hin und Her. Die ersten Siedler kamen vorwiegend aus dem Süden Frankreichs, aus der Dauphine (Achard, Vauge), aus dem Val Cluzon (Breuse, Brunet, Sourdet, Passet) sowie dem Languedoc (Andre, Heraut, Ventrcole, Feilgerolle) oder aber der Picardie (Blanquin, Bodmon oder Boudeman, Le Jeune,Bouquet, Boutmy, Loyseau, Mouillard, Busquet). Doch noch immer schienen sie auf eine Rückkehr nach Frankreich gehofft zu haben, denn obwohl der Landgraf ihnen neben Bauland auch das nötige Material zukommen lässt, entstehen erst auf sein Drängen hin feste Häuser. Bald aber entwickelte sich die colonie française prächtig und sollte schließlich eine wohlhabende Gemeinde werden.

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Für weitere Informationen steht Ihnen das Team der Stadt Friedrichsdorf zur Verfügung:
Telefon: 06172/731-0 - E-Mail: museum@friedrichsdorf.de

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