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Philipp Reis, Erfinder des Telefons

Philipp Reis

Am 26. Oktober 1861 hielt der Friedrichsdorfer Lehrer Philipp Reis vor den Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt einen Vortrag und führte das von ihm entwickelte Telefon vor. Das war die Geburtsstunde des Telefons in Deutschland und der Welt.

Damals unterrichtete Philipp Reis am bekannten Knaben-Institut Garnier in Friedrichsdorf
Sprachen und Naturwissenschaften für ein bescheidenes Gehalt und hatte daneben, besessen von der Idee, Sprache in die Ferne zu übertragen - einen Apparat, den er Telefon nannte, konstruiert.

Sein Leben in Stichworten:

  • geboren am 7. Januar 1834 in Gelnhausen als Sohn des Bäckers Sigismund Reis
  • ein Jahr später Tod der Mutter
  • 1844 Tod des Vaters
  • mit zehn Jahren kam Philipp Reis in das Internat "Institut Garnier" in Friedrichsdorf
  • vier Jahre später Besuch einer Handelsschule in Frankfurt
  • mit 16 Jahren Kaufmännische Lehre in einem Farbenhandelsgeschäft in Frankfurt
  • Weitere Studien in einer Polytechnischen Vorschule und beim Physikalischen
  • Verein in Frankfurt, dessen Mitglied er war

Nach Ableistung seiner Militärdienstzeit in Kassel nahm Philipp Reis in Frankfurt seine naturwissenschaftlichen Studien wieder auf. In Heidelberg wollte er sich für den Lehrberuf ausbilden lassen, erhielt aber dann unverhofft eine Lehrerstelle im Institut Garnier in
Friedrichsdorf. Er heiratete die Tochter seines früheren Vormunds in Gelnhausen und erwarb ein Haus in Friedrichsdorf.

Über die Erfindung des Telefons berichtet Reis in seinem Lebenslauf:
"Durch meinen Physikunterricht dazu veranlasst, griff ich im Jahre 1860 eine schon früher begonnene Arbeit über die Gehörwerkzeuge wieder auf und hatte bald die Freude, meine Mühen durch Erfolg belohnt zu sehen, indem es mir gelang, einen Apparat zu erfinden, durch welchen es möglich wird, die Funktionen der Gehörwerkzeuge klar und anschaulich zu machen, mit welchen man aber auch Töne aller Art durch den galvanischen Strom in beliebiger Entfernung reproduzieren kann. - Ich nannte das Instrument "Telefon."

In wissenschaftlichen Kreisen seiner Zeit wurden die neuartigen Gedanken von Reis als "Spielerei" abgelehnt und Reis versuchte nun selbst, sein Telefon auf den Markt zu bringen. Die Apparate wurden in alle Welt verschickt und dienten als Experimentierobjekte oder wurden in bestehende wissenschaftliche Sammlungen aufgenommen.

Der verdiente Erfolg blieb aus. Philipp Reis starb mit 40 Jahren - im Januar 1874 an einer schon länger bestehenden Tuberkulose und wurde auf dem Friedrichsdorfer Friedhof beigesetzt. Der Physikalische Verein in Frankfurt setzte ihm im Jahre 1878 ein Denkmal.

Schon zwei Jahre nach dem Tod von Philipp Reis - am 14. Februar 1875 reichte der Amerikaner Graham Bell ein Patent auf das von ihm entwickelte Telefon ein. Nach seinem eigenen Eingeständnis hat er aber die Arbeiten von Philipp Reis zumindest teilweise gekannt und sie verbessert.

Nun erinnerte man sich auch in Deutschland wieder an die Versuche und Telefonvorführungen von Philipp Reis, die man seinerzeit nicht ernst genug genommen hatte. Schüler, Lehrerkollegen und bekannte Wissenschaftler setzten sich dafür ein, dass Philipp Reis der Ruhm zugestanden wurde, das erste brauchbare Telefon entwickelt zu haben.

Das ehemalige Wohnhaus von Philipp Reis steht unter Denkmalschutz und beherbergt heute die Philipp-Reis-Sammlung der Deutschen Bundespost und das Stadtarchiv. Im ehemaligen Hof des Reis'schen Anwesens hat die Stadt Friedrichsdorf ihrem großen Mitbürger ein Denkmal gesetzt.

Am 26.10.1952 wurde erstmals die von der Deutschen Bundespost gestiftete Philipp-Plakette verliehen. Mit der Plakette werden "hervorragende Verdienste auf dem Gebiet des Fernmeldewesens" belohnt. Einen weiteren Preis haben die Deutsche Bundespost, der Verband Deutscher Elektroingenieure und die Städte Friedrichsdorf und Gelnhausen für innovative, wirtschaftlichen Erfolg versprechende Erfindungen auf dem Gebiet des Kommunikationswesens festgesetzt. Dieser mit 10.000.--€ dotierte Preis wird alle 2 Jahre an einen Bewerber verliehen, der - zur Erinnerung an Philipp Reis - nicht älter als 40 Jahre sein darf.

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