- Es blitzt und zuckt im Philipp-Reis-Haus
- Ausstellung „Dufte! Verführung aus der Parfumflasche“
- Sulinchen gibt es jetzt auch für zuhause!
- Aulofenmarkt im Heimatmuseum Seulberg
- Führung durch den alten Ortskern von Seulberg
- Atemberaubende Experimente für junge Erfinder
- Zum 90. Todestag von Elise Reis, Tochter des Telefonerfinders
- Anfassen erwünscht
Es blitzt und zuckt im Philipp-Reis-Haus

Für alle kleinen Erfinder und Tüftler geht es im September wieder los mit Entdecken und Experimentieren im Museum. Wissbegierige Kinder zwischen fünf und elf Jahren können am 9. und 14. September mit kleinen Versuchen die Geheimnisse der Elektrizität erforschen.
Warum stehen einem manchmal die Haare zu Berge, wieso reagieren Silberkugeln so seltsam auf Bleistifte und was sind Morsezeichen? Diesen und anderen Fragen können Kinder in dem ehemaligen Wohnhaus des Telefonerfinders auf den Grund gehen. Dabei wird nicht nur geschaut und erklärt, sondern vor allem ausprobiert und experimentiert. Zum Abschluss der Erfinderwerkstatt nehmen die Kinder dann eine Urkunde sowie viele Ideen zum Experimentieren für zu Hause mit.
Die Erfinderwerkstatt "Elektrizität" findet am 9. September für alle Kinder zwischen fünf und sieben Jahren und am 14. September für alle Kinder zwischen sieben und elf Jahren jeweils um 15 Uhr im Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße 93, statt. Die Veranstaltung dauert rund 90 Minuten. Aus organisatorischen Gründen ist die Teilnehmerzahl auf 15 Kinder beschränkt und eine Anmeldung erforderlich. Es wird ein Teilnahmebeitrag von 3 Euro erhoben. Fragen beantwortet gerne Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer 06172 / 72142 bzw. 06007 / 918628 oder per eMail: erika.dittrich
friedrichsdorf.de.
Ausstellung „Dufte! Verführung aus der Parfumflasche“

Düfte sind göttlicher Natur! Nur wohlriechend kann sich der Mensch Heiliges vorstellen. Bald aber entdeckte er den Duft für sich und mit dem Körperkult das Parfum. In der Sammlung von Gisela Lonkowski aber spielt der Flakon die Hauptrolle, denn die Inhalte "verduften" früher oder später. Neben einer kleinen Kulturgeschichte der Verführung aus der Flasche zeigt die Ausstellung den Wandel von Schönheitsidealen und gibt Einblicke in die Kunst des Duftmischens.
Ob Sandelholz, Rose oder Moschus – die Vielfalt der Düfte ist unermesslich. Dass man in Seulberg bereits in der Antike mit Duftwasser betörte, belegt ein Flakonfragmet aus römischer Zeit. Schon längst wollte man da nicht allein die Götter per fumum für sich gewinnen. Erotik und Parfum gingen früh eine Liaison ein. In neuerer Zeit bedufteten sich zunächst Schauspielerinnen und Prostituierte. Schwülstige Noten wie Amber und Moschus signalisierten den Nasen der Männer, wen sie vor sich hatten. Für die ehrbare Frau war es verpönt, Parfüm aufzulegen. Erst um 1890 wurde es salonfähig und da sündhaft teuer, nur der Oberschicht vorbehalten. Ärmere Frauen begnügten sich – wie bereits Napoleon – mit "Kölnisch Wasser". Erschwinglicher geworden, avancierte es um 1900 zur Liebesgabe und ist es bis heute geblieben. Die Ingredienzien indes unterwerfen sich wechselnden Moden, von den blumigen Noten vor dem Ersten Weltkrieg, über den Hauch von Exotik der 1920er Jahre, hin zu den herben Chypren-Düften der 1940er. Immer ging es darum, sein Gegenüber zu verführen, denn die Nase trifft die Entscheidung in Liebesdingen. Beim Parfumkauf aber wählt nicht allein die Nase. Das wissen auch die Hersteller der kostbaren Essenzen. Ob berühmte Designer- oder die Bleikristallfamilien Lalique oder Baccarat, Weltkonzerne wie Guerlain, Nina Ricci, Lucien Lelong, Matchabelli, Coty, Bourjois oder auch die deutschen Dufthersteller 4711, Mouson und Patrizier Lavendel, alle füllen ihre Parfüms in prächtige, oft hochwertig und aus edlen Materialien hergestellte Flakons. Verpackt in aufwendigen Kartonagen liegen sie sogar oft gebettet auf Samt und Seide. Die Objekte der sinnlichen Leidenschaft findet Gisela Lonkowski auf Flohmärkten, Sammlerbörsen, Auktionen und jüngst auch über das Internet.
Die Ausstellung "Dufte! Verführung aus der Parfumflasche" ist vom 15. August bis 10. Oktober zu den jeweiligen Öffnungszeiten, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr ,im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, zu sehen. An Feiertagen und in den Ferien bleibt das Museum geschlossen.
Die Eröffnung mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm findet am 15. August um 15 Uhr statt. Und natürlich bietet an diesem Nachmittag die Museumsklause wieder Kaffee und selbstgebackenen Kuchen an.
Führung durch die Ausstellung
25. August, 18 Uhr
durch Dr. Erika Dittrich
Kostenbeitrag: 2 Euro
Anmeldung nicht erforderlich
Workshop "Einzigartige Blütenpapiere selbst schöpfen"
28. August, 14 – 17 Uhr
Leitung: Jessika Kaiser
Kursgebühr: 25 Euro
Anmeldung erforderlich
Sulinchen gibt es jetzt auch für zuhause!

Ein neuer Gast ist vorübergehend ins Heimatmuseum eingezogen. Freudig hüpft Sulinchen auf und ab, denn die Neue sieht genauso aus wie der Kobold. Eine Puppe, nach Art der Waldorfpuppen, kann man nun im Heimatmuseum Seulberg erwerben. Durch ihr weiches Material und ihre 19 cm Größe ist sie die ideale Erstlingspuppe. Handgefertigt wurde sie von Frau Jutta Kaiser und natürlich ist sie dem Original-Sulinchen wie aus dem Gesicht geschnitten. Ob sie auch so viel Schabernack anstellt wie der Museumskobold?
Sulinchen-Puppen können ab jetzt für 22,22 Euro bei Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (06007) 91 86 28 oder per email erika.dittrich
friedrichsdorf.de bestellt werden.
Aulofenmarkt im Heimatmuseum Seulberg

Im stimmungsvollen Ambiente des Museums sowie im überdachten Innenhof veranstaltet das Heimatmuseum Seulberg seit fast 30 Jahren seine kunsthandwerklichen Märkte. Das Besondere hierbei: Alle Aussteller bieten ausschließlich Eigenproduktionen zum Verkauf an. Der Aulofenmarkt (benannt nach der alten Bezeichnung für Aulner = Töpfer) stellt alte Handwerke in den Vordergrund. So wird zum Beispiel an mehr als 30 Ständen gezeigt, wie geklöppelt, Glasperlen hergestellt oder Seife gesiedet wird, Stühle geflochten und Flaschenverschlüsse erzeugt werden. Daneben bietet der Markt ein vielfältiges Angebot an kunstvoll Schönem und Nahrhaftem aus Haus und Garten, selbstgerührte Cremes und Salben, ausgewählten Schmuck, Stickereien, edle Schals und Tücher. Und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, verwöhnen doch selbst zubereitete Speisen, wie z. B. das spezielle Seulberger Museumsbrot, Handkäs, Kartoffeln mit Grüner Soße, Waffeln oder selbstgemachter Kuchen die Gaumen der Gäste.
Der 23. Aulofenmarkt im Heimatmuseum Seulberg, Alt Seulberg 46, findet am 26. September von 10 bis 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen erteilt Ihnen gerne Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer (06007) 91 86 28 oder per email erika.dittrich
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Führung durch den alten Ortskern von Seulberg

Durch die wahrscheinlich älteste Siedlung des Hochtaunuskreises führt am 15. September um 14 Uhr wieder Friedrich-Wilhelm Jeckel. Er ist hier aufgewachsen und kennt den Freihof, die Sieben-Häuser-Gasse, den Dinghof, den Krottenteich, den Schafhof, den Aulofen – und auch seine Vorfahren gehörten der Töpferzunft an. Beim Spaziergang lernen Sie Seulberg als einen typischen »Rundling« kennen, erfahren einiges aus der Vergangenheit des Ortes und sehen auch das Haus des »Hexenpfarrers« Zahnius.
Ausgangs- und Endpunkt des Rundganges ist um 14 Uhr das Heimatmuseum Seulberg in der Ortsmitte gegenüber der ev. Kirche, der auch ein Besuch abgestattet wird. Nach dem Rundgang, der ca. 2 Stunden dauert, treffen sich die Teilnehmer in der gemütlichen Museums-Klause zu Kaffee und Kuchen.
Der Preis, einschl. Kaffee und Kuchen, beträgt 6 Euro. Maximale Teilnehmerzahl 25 Personen. Eine Anmeldung ist daher erforderlich. Anmeldungen nimmt Herr Hansen, Telefon (06172) 7 82 21, bzw. email: hansjue
t-online.de oder Frau Wenzel, Telefon (06172) 77 84 96 entgegen. Um Überweisung des Betrages auf das Konto-Nr. 48 097 286 des Vereins f. Geschichte und Heimatkunde bei der TaunusSparkasse, Seulberg (Bankleitzahl 512 500 00) wird gebeten.
Atemberaubende Experimente für junge Erfinder

Ab September geht es wieder los mit dem Experimentieren, Erforschen und Hinterfragen im Philipp-Reis-Haus. In der Erfinderwerkstatt können neugierige Forscher in die spannende Welt der Physik eintauchen und eigene Experimente zur Akustik, Elektrizität und Optik ausprobieren. Dabei können Kinder erfahren, wie man z. B. Wasser zum Spritzen bringt, Silberkugeln sich von Geisterhand bewegen oder wie man ein Farbenkarussell erzeugt. Alle Experimente werden natürlich nur unter Anleitung ausprobiert und sind zur Nachahmung zu Hause dringend empfohlen.
Aus organisatorischen Gründen ist die Teilnehmerzahl auf 15 Kinder beschränkt und eine Anmeldung erforderlich. Die Veranstaltungen beginnen im Philipp-Reis-Haus, Hugenottenstraße 93, jeweils um 15 Uhr (außer die Erfinderwerkstatt "Im Dunkeln") und dauern rund 90 Minuten. Es wird ein Teilnahmebeitrag von 3 Euro erhoben. Für Personen mit dem Friedrichsdorf-Pass ist die Teilnahme kostenfrei. Fragen beantwortet gerne Dr. Erika Dittrich unter der Telefonnummer: 06007 / 918628 oder 06172 / 72142 und per eMail erika.dittrich
friedrichsdorf.de.
Termine für Kinder von 5 bis 7 Jahren:
9. September, 15 Uhr: Elektrizität
30. September, 15 Uhr: Akustik
5. Oktober, 15 Uhr: Optik
16. November, 16 Uhr: Im Dunkeln
Termine für Kinder von 7 bis 11 Jahren:
14. September, 15 Uhr: Elektrizität
23. September, 15 Uhr: Akustik
7. Oktober, 15 Uhr: Optik
9. November, 16 Uhr: Im Dunkeln
Zum 90. Todestag von Elise Reis, Tochter des Telefonerfinders

Es war ein trauriges Leben in bescheidenen Verhältnissen, das die Tochter des Telefonerfinders Elise Reis (1861-1920) führte. Dabei hatte Philipp Reis großen Wert auf eine gute Schulausbildung seiner Kinder gelegt. Von Elises musischen Talenten zeugt ein erst kürzlich aus privater Hand an das Museum übergebene Skizzenbuch. Zart sind darin mit Bleistift die Zeichnungen mit einer Liebe zum Detail ausgeführt. Hervorragend spielte sie Klavier. Doch um die Jahrhundertwende war es für eine Frau aus bürgerlichen Kreisen schwer, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und eine Stelle in der Gesellschaft zu finden. Schließlich zerbrach die Klavierlehrerin an ihrem kargen Schicksal und wählte den Freitod.
Gerade hatte Philipp Reis (1834-1874) seine geniale Erfindung gemacht, als ihm seine Frau Margarethe (1836-1895) ein Töchterchen schenkte. Geboren wurde es am 14. Februar 1861 und zwei Wochen später in der vom Wohnhaus nur wenige Schritte entfernt liegende Kirche auf den Namen Elise Susanne getauft. Liebevoll kümmerten sich die Eltern um das Mädchen, zu dem zwei Jahre später sich noch Brüderchen Carl gesellte. Reis half seinem kränklichen "Gretchen" im Haushalt, bastelte für seine Kinder Spielzeug und liebte es, mit ihnen durch den Taunus zu streifen. Sogar bei seinen Experimenten bezog er die Kinder ein. Noch heute erhalten und im Museum ausgestellt sind von Reis gedrechselte Figürchen und ein kleines Märchenbuch, das er für seine Tochter mit einer Handpresse druckte. Doch die schwere Krankheit, Reis litt an Lungentuberkulose, und schließlich sein früher Tod setzte der glücklichen Kindheit ein Ende. Elise war gerade einmal 13 Jahre alt. Mit dem Verlust des geliebten Vaters kamen auch materielle Sorgen, blieb doch fortan das regelmäßige Einkommen aus. Eine Pension stand der Witwe nicht zu. So blieb der kleinen Familie nichts weiter übrig, als zusammenzurücken und die unteren Räume im kleinen Fachwerkhäuschen zu vermieten. Für kurze Zeit wohnte man mit Familie Wagner unter einem Dach, dessen kleiner Sohn Willi später in die Fußstapfen von Reis treten und das Telefon weiterentwickeln sollte.
In seinem Testament hatte Reis verfügt, seinen Kindern eine gute Schulausbildung angedeihen zu lassen. Wenn auch nicht archivarisch belegt, so besuchte Elise sicher das gegenüber ihrem Haus gelegene Institut von Pfarrer Bagge, eine private Mädchenschule. Hier konnte Elise ihr musisches Talent entdecken, lernte das Klavierspielen und bekam Zeichenunterricht. Wie talentiert sie mit dem Zeichenstift umging, belegt ein 30 Seiten starkes Skizzenbuch, das erst kürzlich dem Museum aus Privatbesitz übereignet wurde. Blumen- und Landschaftsmotive zeigen die Entwicklung des Zeichentalents sowie die Frucht vielen Übens. Friedrichsdorfer Motive befinden sich leider nicht unter den Zeichnungen, jedoch eine bei Gelnhausen, der Geburtsstadt ihres Vaters, gelegene Mühle.
Zunächst blieb Elise im Elternhaus wohnen, wo sie aufopferungsvoll ihre Mutter bis zu deren Tode pflegte. Damals war Elise 34 Jahre alt und, da sich ihr Verlobter anders entscheiden hatte, noch immer unverheiratet. Da die junge Frau nur ein kleines Barvermögen von rund 16.000 Mark und keinerlei Berufsausbildung besaß, beantragte Bürgermeister Garnier beim Reichspostamt in Frankfurt eine kleine Rente für die Tochter des Telefonerfinders. Gewährt wurden schließlich 400 Mark jährlich. Nachdem ihr Bruder, der inzwischen Buchhalter bei der Zwiebackfabrik Stemler geworden war, geheiratet hatte, zog Elise aus ihrem Geburtshaus aus. Ein neues Zuhause fand sie später in einer Dachwohnung der Hauptstraße 101, das neu erbaute Haus von Adolph Louis Achard. Hier gab sie auch Klavierstunden, um ihre karge Rente aufzubessern. Vor allem in der französisch-reformierte Kirche engagierte sie sich, etwa in der Sonntagsschule sowie im französisch sprechenden Damenkränzchen. Später trat sie zudem der Methodistischen Kirche bei, wo sie dann den Frauen-Missions-Verein leitete.
Doch während des Ersten Weltkrieges verschlechterte sich ihre Gesundheit derart, dass sie ihren Haushalt nicht mehr allein zu führen vermochte. An Klavierunterricht war gar nicht mehr zu denken. Unterernährung war die Folge. Da half auch die einmalige Zahlung von 300 Mark der Post nicht weiter. Den Vorschlag, ihre Wertpapiere in eine Versicherungsgesellschaft zu zahlen, lehnte Elise ab. Das Geld sei für ihre Nichten bestimmt, da diese seit 1917 Halbwaise waren. Aus dieser misslichen Situation sah Elise keinen anderen Ausweg mehr, als sich selbst das Leben zu nehmen. Am 14. Mai 1920, gegen 13 Uhr fand man sie erhängt in ihrer Wohnung auf. Wenige Tage später berichtete der "Taunusbote": "Die 59jährige Privatiere Reis hat in der Nacht von Donnerstag zum Freitag ihrem Leben durch Erhängen freiwillig ein Ziel gesetzt. Die Verstorbene litt schon längere Zeit an nervösen Störungen und dürfte dieses Leiden die Ursache zu der Tat gewesen sein." Ihre Nichte Marie vermutete, ihre Tante habe "ihr Leben in religiösem Wahn durch eigene Hand" beendet. Ihre Habseligkeiten wurden zusammen mit einigen Möbeln aus ihrem Elternhaus versteigert. Hierunter befanden sich auch Sofa und Stühle, die vor einigen Jahren wieder in das Reis-Haus kamen.
Einen Grabstein erhielt Elise Reis erst spät, erlaubten es doch die finanziellen Verhältnisse der Familie nicht. Denn ihre verwitwete Schwägerin hatte das Haus verkauft und den gesamten Erlös während der Inflation verloren. So setzte erst 16 Jahre nach ihrem Tod Margarethe Reis ihrer Schwägerin eine schwarze Marmortafel mit der Inschrift "Hier ruht Elise Reis 1861 – 1920". Geblieben sind nur wenig persönliche Habseligkeiten aus dem Besitz von Elise Reis. So befinden sich in Privatbesitz etwa einzelne Briefe und ein Gebetbuch; sechs Fotos verwahrt das Stadtarchiv. Umso wertvoller ist die Schenkung des Zeichenheftes, erlaubt dieses doch, sich ein Bild zu machen von einem traurigen Frauenschicksal.

Das Jahr 1860 gilt als Geburtsstunde des Telefons. Damals gelang dem Friedrichsdorfer Lehrer und Physiker Philipp Reis erstmals die Übertragung von Sprache über eine größere Distanz. Reis war es auch, der das in alle Weltsprachen eingegangene Kunstwort für die neue Technik kreierte: "Telephon". Das 150-jährige Jubiläum der epochalen Erfindung nahm das nach Philipp Reis benannte Städtische Museum Friedrichsdorf zum Anlass, die Geschichte des Fernsprechers seit dessen Verbreitung um 1900 bis zum Gebrauch von Schnurlosen in einer Neupräsentation darzustellen.
Möglich wurde eine im wörtlichen Sinne begreifbare Präsentation durch die Schenkung der Privatsammlung von Dr. Herbert Krist. Daraus wurden 18 Apparate ausgewählt und auf gestalteten Wandelementen installiert. Es sind vor allem die Geräte selbst und die dazugehörenden Bilder, die hier wirken. Statt trockener Fakten und technischer Daten kommen die Telefone als auditives Medium selbst zu Wort. Anfassen und Abheben ist ausdrücklich erwünscht, damit der Besucher ein Gefühl für die unterschiedlichen Materialien (sowie das Gewicht!) der Apparate erhält, und vor allem, um die auf jeden Gerätetypus abgestimmten Hörspiele mitzuverfolgen. In unterhaltsamen und eigens zu diesem Zweck produzierten Kurzgeschichten sind deren wichtigsten Daten ebenso verpackt wie der kulturgeschichtliche Kontext. Eine Collage telefonierender Frauen und Männer gibt bereits durch die sich wandelnde Mode eine Anmutung der Epochen, als die jeweiligen Fernsprecher in Gebrauch waren, gewissermaßen vom steifen Stehkragen und Mieder zu legerem Pulli und Jeans.
Anfangs telefonierte man noch im Stehen. Und das Wunder, vom "Fräulein vom Amt" vermittelte Stimmen aus der Ferne zu hören, war nur wenigen vergönnt. Wie um 1900 selbstverständlich, achtete man bei den hölzernen Pulttelefonen neben der Funktionalität auf Formschönheit und Ästhetik. Neue Werkstoffe wie Bakelit erlaubten später die Produktion robuster Gebrauchsapparate wie das schwarze W 48 aus der Nachkriegszeit oder die kostengünstig aus Plastik hergestellte "Graue Maus". Spätestens mit diesem Gerät wurde Telefonieren in den 1960er Jahren zum Massenphänomen und unterlag wie jeder andere Gebrauchsgegenstand nun modischen Trends. Im Gefolge der Flower-Power-Zeit nahmen die Gehäuse jetzt Farbe an. Um das Gedächtnis zu entlasten ersetzte der Tastenblock die Wählscheibe.
Aber noch immer war Telefonieren ortsgebunden, weil von einer Leitung abhängig. Nicht zufällig emanzipierte man sich mit der immer größeren Mobilität auch davon. Die verbessere Funktechnik erlaubte erst ab 1958 das Telefonieren aus dem Auto, dann konnten dank Digitalisierung beliebig viele Mobilteile über einen häuslichen Festanschluss benutzt werden, und schließlich kannte das Telefonieren per Handy keine räumlichen Grenzen mehr (die Entwicklung des Mobiltelefons bleibt dem weiteren Museumsausbau vorbehalten, die in diesem Jahr angestrebt ist).
Das Telefonieren hat die gesamte menschliche Kommunikation radikal verändert und damit auch entsprechende künstlerische Spiegelungen erfahren. In der neuen Abteilung sind zahlreiche bildnerische und akustische Beispiele versammelt, wie das Sprechen auf Distanz in Musik, Film und Literatur Eingang fand. Genannt seien nur die als kurze Einspielungen im Hintergrund zu vernehmenden "Telefonlieder", beginnend bei der bereits 1878 komponierten "Telefonpolka" von Eduard Strauß über das "Ring, Ring" der Gruppe ABBA (1973) bis zum "Telefonterror" der Band Spliff (1984).
Konzept und Durchführung des Umbaus entstanden in enger Kooperation von Museumsleiterin Dr. Erika Dittrich mit dem Birsteiner Gestalter Thomas Scheuermann. Die Grafik besorgte das Büro Fanz und Neumeyer aus Schifferstadt. Frau Dittrich und Ulrike Mecke, Volontärin im Museum und Stadtarchiv, texteten auch die von professionellen Schauspielern gesprochenen Hörspiele. Produziert wurden sie durch das Unternehmen soundgarden in München-Unterföhrung. Die gesamte Maßnahme kostete rund 19.000 Euro, davon förderte der Hessische Museumsverband die Hälfte, die andere steuerte die Stadt Friedrichsdorf bei.
Das Philipp-Reis-Haus in der Hugenottenstraße 93 hat Dienstag und Donnerstag von 9 bis 16 Uhr geöffnet (sowie nach Vereinbarung über das Stadtarchiv, Tel. (06007) 91 86 28).
Für weitere Informationen steht Ihnen das Team der Stadt Friedrichsdorf zur Verfügung:
Telefon: 06172/731-0 - eMail: museum
friedrichsdorf.de